In diesem Jahr begeht der Dresdner Graphikmarkt sein 50-jähriges Gründungsjubiläum. Der erste Graphikmarkt fand am 29. und 30. Mai 1976 statt. 71 Künstlerinnen und Künstler nahmen teil. Die zeitgenössische Grafik, insbesondere die Druckgrafik, hatte es damit aus den Ateliers der Künstlerinnen und Künstler an die Öffentlichkeit geschafft. Der Grundstein für eine lange Dresdner Tradition war gelegt.

 

Der diesjährige Dresdner Graphikmarkt findet am 14. und 15. November 2026 im Deutschen Hygiene-Museum statt. Es ist jedoch erst der 45. Wieso das so ist und wie sich der Dresdner Graphikmarkt über die Jahre entwickelt hat, darüber werden wir in den kommenden Monaten hier auf unserer Internetseite in Etappen berichten. Wir beginnen mit den 1970-er Jahren. 

 

Die Jahre 1976 und 1977 – Der erste und zweite Dresdner Grafikmarkt

Im Jahr 1975 fand in Berlin unter der Trägerschaft der Pirckheimer-Gesellschaft im Kulturbund der DDR erstmals ein Graphikmarkt statt, der 1. Berliner Graphikmarkt. Er war sehr erfolgreich. Dadurch fühlte sich die Ortsgruppe Dresden-Radebeul der Pirckheimer-Gesellschaft ermutigt, auch in Dresden einen solchen zu organisieren. Man suchte sich starke Unterstützer, wie Prof. Fritz Löffler, der den Text im Begleitheft zum 1. Dresdner Grafikmarkt 1976 verfasste. Fritz Treu, der damalige Vorsitzende der Ortsgruppe Dresden-Radebeul der Pirckheimer-Gesellschaft, formulierte eine handgeschriebene Einladung, in der Künstlerinnen und Künstler aus dem Bezirk Dresden zur Einreichung von 5 Arbeiten aus den letzten 5 Jahren ihres Schaffens gebeten wurden.

 

Die Arbeiten stellte man bereits vor dem eigentlichen Grafikmarkt in der erst im Jahr 1975 gegründeten „Galerie Nord“ in Dresden, Leipziger Straße 56, aus. Der Markt selbst fand am 29. und 30. Mai im Jugendklubhaus „Rudi Arndt“, heute „Theaterhaus Rudi“, Fechnerstraße 2a, statt. Die ausgestellten Grafiken wurden zum Teil an einer Leine aufgehängt. Die Idee dazu stammte von Veit Hofmann, wie er uns berichtete. Maßgebliche Organisatoren des 1. Dresdner Grafikmarktes waren die Leiterin der „Galerie Nord“, Heidrun Plenkers, und der Künstler Werner Wittig.

 

Für den Grafikmarkt wurden sechs originalgrafische Plakate gestaltet (jeweils eines von Veit Hoffmann, Max Uhlig, Claus Weidensdorfer und Jürgen Seidel sowie zwei von Werner Wittig).

Für die teilnehmenden Künstlerinnen und Künstlern bot der Grafikmarkt eine gute Gelegenheit, sich mit ihren Arbeiten einer breiten Öffentlichkeit bekannt zu machen und auch etwas zu verdienen. Wie die Pirckheimer-Gesellschaft in ihrer Zeitschrift „Marginalien“ (Heft 63, 1976, S. 63) berichtete, erwarben etwa 900 Besucher Grafik im Wert von insgesamt 10.086 Mark.

 

Der beachtliche Erfolg ermutigte die Organisatoren, einen 2. Dresdner Grafikmarkt vorzubereiten, der am 4. und 5. Juni 1977 im „Theaterclub im Gewandhaus“, stattfinden sollte. Andreas Dress gestaltete ein Plakat dafür.

 

Organisatorische Unstimmigkeiten führten jedoch dazu, dass der Grafikmarkt kurzfristig verboten wurde und nicht stattfinden konnte, woraufhin das Plakat in zweiter Version mit einem Trauerflor versehen wurde. Letztlich gelang es dann doch, den zweiten Grafikmarkt durchzuführen – nun unter der Schirmherrschaft des „Staatlichen Kunsthandels der DDR“ - am 24. und 25. September 1977 im Studentenclub „Bärenzwinger“ der TU Dresden. Die Einladung zur Teilnahme am 2. Dresdner Graphikmarkt ist unterzeichnet von Heidrun Plenkers (Arbeitsgruppe Grafikmarkt) und Gerhard Filbrandt (Galerieleiter).

 

Leider ist es uns bisher nicht gelungen, die genauen Umstände um das Verbot des 2. Dresdner Grafikmarktes aufzuklären. Ebenso wenig kennen wir die Gründe dafür, dass erst im Jahr 1984 in Dresden wieder ein Grafikmarkt stattfinden konnte. Wer helfen kann, diesen Teil der Geschichte und die ersten Jahre des Grafikmarktes näher zu beleuchten, ist herzlich eingeladen, sich mit dem Dresdner Graphikmarkt e.V. in Verbindung zu setzen ([email protected]). Wir freuen uns auf Ihre Hinweise.